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 Betreff des Beitrags: Maserati tipo 65 Le Mans 1965
BeitragVerfasst: 4. Apr 2021, 18:47 
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Hallo miteinander,

mit dem bautyp 65 versuchte - Maserati Frankreich - auf basis vergangener bauserien, ein konkurrenzfähiges
wettbewerbsfahrzeug für das rennen 1965 zu erstellen. Mit dem fahrerteam Jo Sifffert und Jochen Neerpasch
ging man an den start; leider wurde das fahrzeug nach einer stunde fahrzeit in einen unfall verwickelt und konnte das
rennen nicht wieder aufnehmen. Damit endete bedauerlicherweise die teilnahme der marke -Maserati- in Le Mans nach
einem jahrzehnt der präsenz.

Als mir im spätsommer vergangenen jahres das angebot gemacht wurde, einen masstäblichen karosserieabguss dieses
bautyps 65 zu erhalten, habe ich natürlich zugegriffen. Bereits beim studium von originalaufnahmen kamen jedoch grösste
zweifel auf, ob ich das modell je fertigstellen würde können. An dem nachstehenden foto ist gut zu erkennen, das mit
einfachen -bordmitteln- eine komplexe cockpitverglasung, wie sie dem fahrzeug als formal prägende gestalt zu eigen ist,
ich nicht ohne hilfe würde realisieren können.
Um es vorwegzunehen, ich habe ein erfahrenes -Forums-mitglied angesprochen, das mir seine hilfe und mitwirkung
bei der anfertigung einer solchen scheibenform zusagte; ohne dieses zutun wäre das -Maserati-modell ein fragment geblieben.
An dieser stelle nochmals meinen grossen dank für die begleitung in sachen scheibenfertigung.

Bild

foto aus: 24 Heures du Mans (C. Moity, J-M.Teissedre)


Mit einigen bauskizzen und der resinekarosserie als baugrundlage ging es zunächst darum, die bedingungen für die
cockpitverglasung zu bestimmen, um im späteren ggf. noch detailveränderungen am karosseriekörper vorzunehmen.

Bild

Bild

Bild


Nachdem die massbezüge der scheibenkonstruktion annähernd bestimmt waren, musste für alle folgenden bauabschnitte
zunächst ein passendes fahrwerk erstellt werden.

Bild

Es wird sofort erkennbar, dass nur eine sidewinderanordnung die gesetzten vorgaben erfüllt, will man ein cockpit als dreidimensionales
einsatzstück ins modell bringen. Denn insbesondere dieses modell wird von der tatsache geprägt, dass die einsicht ins cockpit
mehr bieten sollte als die aufsicht auf eine horizontale abdeckebene. Wollte man zudem an der hinterachse reifendimensionen
verbauen, die deutlich am original orientiert sind, die verschraubten alufelgen von -Racer- verwenden, wurde der bau des chassis
durchaus anspruchsvoll, wenn man die doch nicht übermässige innenbreite des modells im bereich der hinterachse betrachtete.
Es mussten manche bauteile der hinterachskonstruktion bearbeitet werden.
(der bund von spurzahnrad und der angrenzenden alufelge ist in der baubreite gekürzt, die beiden bauteile mit der achse verklebt)
Für das chassis wählte ich ein ausgedientes -Fly- fahrwerk (sidewinder mit Shortcan, Mabuchi FC 130); es musste nur in einigen wenigen
punkten überarbeitet werden.

Bild


Im weiteren konnte nun der blick wieder auf die front mit der cockpitverglasung gerichtet werden. Es wurde zunächst eine art -stempelform-,
zur scheibenform erzeugt, die in den weiteren arbeitsgängen stück für stück zur endgültigen passform verfeinert wurde.
Als grundlage hierfür diente die eingangs gezeigte bauskizze sowie abbildungen vom originalfahrzeug.

Bild


In unterschiedlichen bearbeitungsgängen wurde nun die passende cockpitscheibe entwickelt. Dabei wurden -probestücke- durch dünnes
polystyrolmaterial erzeugt, die in abstimmung auf die tatsächliche einbausituation, die resinekarosserie, gefertigt wurden.
(anmerkung: die abbildungen zu den scheibenflächen zeigen die bereits aus dem stempelformat (siehe oben) ausgeschnittenen scheibenstücke)
Es zeigte sich nach einigen versuchen, dass das scheibenelement zugleich die frontscheibe mit den seitenscheiben umfassen musste,
nur so war ein stabiler einbau zu ermöglichen. Die gewölbte und im grundriss halbkreisförmig angelegte frontscheibe wird mit einer
im unteren bereich angeformten kleinen abkantung ins modell geklebt; die angeformten seitenscheiben hingegen, deren form
eines geneigten, im schnitt leicht gewölbten rechteckes entsprechen, werden auf der oberseite der geschlossenen türflächen aufgelegt
und an ihrem ende in einem vertikalen anschlag gehalten.
(das vertikale auflager wird schlussendlich von einem profilstreifen des scheibenrahmens abgedeckt)

Einige fotos, die die entstehung der cockpitverglasung verbildlichen:

Bild

Bild

Bild

Bild


Nachdem die scheibenform gefunden war, wurde das augenmerk wieder auf den weiteren aufbau des modells gerichtet:
das cockpit wurde auf einem ausgedienten resingussformstück zum einbauteil erstellt, das chassis mit der fahrlichtelektronik komplettiert.

Bild


Das modell nach weiteren detailarbeiten :

Bild

Bild


Vor der endgültigen decklackierung erfolgte nochmals eine -passprobe- mit der cockpitverglasung :

Bild


Damit der dreifarbige decorstreifen in fahrzeugachse in seiner dimension mit dem original weitestgehend übereinstimmt, wurde vor der
decalfertigung aus einem papierstreifen die benötigte breite bestimmt, zu den startnummern die passende zahlen/- schriftgrösse.

Bild


Nach den lackierarbeiten alle wesentlichen bauteile vor dem einbau in einer zusammenschau :

Bild

Die türen des cockpits sind im original rahmenkonstruktionen mit eingesetzten scheibenflächen; im modell werden die rahmenwirkung
durch feine vorgefertigte streifen aus polystyrol, profilbreite 0,1 mm hergestellt. Sie sind auf die scheibenflächen aufgeklebt.

Bild


Das modell vor dem endgültigen zusammenbau: karosserie, cockpiteinbau, fahrwerk :

Bild


Der Maserati tipo 65 :

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild


beste grüsse

claus

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 Betreff des Beitrags:
Verfasst: 4. Apr 2021, 18:47 


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 Betreff des Beitrags: Re: Maserati tipo 65 Le Mans 1965
BeitragVerfasst: 4. Apr 2021, 21:41 
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Hallo claus,

wieder mal eine extrem gute und sehr scale Ausführung von dir

Bei Vorbild bin ich eher der Fan von dem wilden Tipo 53 mit seinen Kanonenrohr-Auspuffrohren auf dem Heck
(da habe ich im Forum mal gezeigt wie ich ein Interieur baue)

.......... was natürlich nicht heißen soll das der 65er hässlich ist sondern einzig weniger Aufregend


Mal am Rande bemerkt
Ich wäre sofort ein Abnehmer für ein Kalender mit deinen Detailzeichnungen für die Bauvorbereitung deiner Modelle


L.G.
LMK


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 Betreff des Beitrags: Re: Maserati tipo 65 Le Mans 1965
BeitragVerfasst: 5. Apr 2021, 14:39 
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Hallo Claus,

wieder einmal eine phantastische Arbeit. Ich bewundere immer wie du es schaffst alles so sauber und exakt zu bauen.
Gratuliere zu diesem tollen Auto.

LG
Dieter


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 Betreff des Beitrags: Re: Maserati tipo 65 Le Mans 1965
BeitragVerfasst: 6. Apr 2021, 12:29 
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Hallo Claus,
da hast Du wieder ein Kleinod generiert. Es ist erstaunlich, welche Fahrzeuge damals gebaut wurden. Bei einer kurzen Suche findet man unter tipo 63 und tipo 64 noch weitere, optisch sehr besondere Konstruktionen.
Vielen Dank für die wieder sehr interessanten Ausführungen zu den Details wie der Scheibengestaltung oder auch der Platzeinsparung mit der einseitig verklebten Felgen/ Zahnradkombi. Zur Qualität Ausführung kann man schon nichts mehr sagen, das wiederholt sich zu sehr!
Gruss,
Thomas


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 Betreff des Beitrags: Re: Maserati tipo 65 Le Mans 1965
BeitragVerfasst: 6. Apr 2021, 17:45 
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Hallo, claus,

ich bin anderer Meinung als Leo: ich finde, das ist vom Vorbild her ein unglaublich hässliches Auto.
Aber von Dir mit ebenso unglaublicher Präzision umgesetzt. ( - wie nicht anders zu erwarten :D)
Ich finde es besonders spannend, mit wie vielen Schritten Du zur endgültigen Darstellung von Frontscheibe/Türen/Seitenscheiben gelangst.

Hätte es Dich nicht vom Vorbildfoto her einmal gereizt, die Frontklappe als zu öffnen darzustellen, um die darunter befindlichen Aggregate zu zeigen? Zum sicheren Schließen würden sich dabei Miniaturmagnete eignen.

Gruß, Taffy

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 Betreff des Beitrags: Re: Maserati tipo 65 Le Mans 1965
BeitragVerfasst: 6. Apr 2021, 19:52 
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lieber Taffy,

Taffy hat geschrieben:
ich bin anderer Meinung als Leo: ich finde, das ist vom Vorbild her ein unglaublich hässliches Auto.


ich bin weit entfernt die -Maserati-mannschaft hinsichtlich der entstandenen karosseriegestalt verteidigen zu wollen.
Ich würde jedoch der gestalt durchaus formale qualitäten zubilligen. Mag sein, dass die gesamtproportion unausgewogen erscheint,
daher im ersten ansehen sehr gewöhnungsbedürftig ist. Verglichen mit den karosserieformen der rennsportwagen (1955-1958)
kann das eine entäuschung darstellen, ist man doch eine sehr differnzierte gestalt gewohnt.
Aber das hiesse äpfel mit birnen vergleichen. Die frontmotorautos erzeugen eine andere karrosseriegestalt als jene,
die ein mittelmotorkonzept zum ausgangspunkt haben.
Ich würde die karosserie des tipo 65 als eine art -superform- oder besser gesagt, -überform- bezeichnen.
Sie ist regelrecht über einen unterbau (rohrrahmen) gestülpt worden.
Dabei wirken zwei gegensätzliche gestaltmotive: einem vorderwagen, mit dem cockpitausschnitt, der eine traditionelle formensprache zeigt,
wurde ein rechteckvolumen angesetzt, dessen heckabschluss nach -Kamm-vorbild ausgebildet wurde.
Fürwahr in manchen karosseriespunkten ist die form ein wenig undiffernziert, im prinzip aber eindeutig strukturiert und klar ablesbar.

Nebenbei: schau dir doch mal die baureihen tipo 61, 63 und 151 an.............

Du bringst mich auf :idea: ...........jetzt noch karosserieteile zum öffnen........... :mrgreen:


herzliche grüsse

claus

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